Arnold Angenendt
Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert
Die Liste heute gängigen Anklagen gegen das Christentum ist lang: Leib- und Geschlechterfeindlichkeit, Erzeugung falscher Schuldgefühle, Anspruch auf alleinseligmachende Wahrheit und damit Intoleranz, Absegnung der Kreuzritter als Beihilfe am Tod unschuldiger Moslems, die Inquisition mit Folterung und Verbrennung der Ketzer wie der Hexen, die Mission als Kolonialkrieg bei Ausrottung ganzer Volksstämme, Antijudaismus als Wegbereiter des Holocaust. Eine “Blutspur” von neun Millionen Opfern habe das Christentum in der Geschichte hinterlassen. In Summe sei es eine altgewordene Weltreligion, die am besten abdanke.
Auf breiter Faktenlage fußend legt der Kirchenhistoriker Thomas Lentes dar, was die religions-, kultur- und allgemeingeschichtlichen Forschungen zu diesen Anklagen in den letzten zwanzig Jahren erbracht haben.
Zum Referenten:
Dr. Thomas Lentes
Studium der Katholischen Theologie, Geschichte, Philosophie und Germanistik in Münster und München.
Nach dem Diplom in Katholischer Theologie 1992-1998 Mitarbeiter und Assistent am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte bei Prof. Dr. Arnold Angenendt sowie im SFB 231 “Pragmatische Schriftlichkeit” der Universität Münster.
1996 Promotion in Mittlerer und Neuerer Kirchengeschichte mit einer Arbeit zu “Gebetbuch und Gebärde. Religiöses Ausdrucksverhalten in spätmittelalterlichen Gebetbüchern (1350-1550)”.
Nach der Promotion Wechsel zum Fach Mittelalterliche Geschichte. Mehrere Aufenthalte als Gastwissenschaftler u.a. am MPI für Geschichte in Göttingen (1997) und an der EHESS in Paris. (1998-1999).
Seit Dezember 1999 Leiter der Forschungsgruppe sowie Oberassistent in Geschichte und Katholischer Theologie. Derzeit Vorbereitung einer Habilitationsschrift zur Körpermarkierung im Mittelalter.
Der ursprünglich für diesen Termin vorgesehene Refernet, Prof. Dr. Angenendt, musste leider kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen.
Arnold Angenendt wurde 1934 Nordrhein-Westfalen geboren. Er studierte Katholische Theologie und Geschichte in Münster, wo er 1963 zum Priester geweiht wurde. Es folgten weitere Studien in Bonn, Rom und Paris, 1971 die Promotion und 1975 die Habilitation in Katholischer Theologie.
Danach lehrte Angenendt zunächst für ein Jahr am Pontificial Institute of Toronto und ab 1976 an der Ruhr-Universität Bochum. 1981 wurde er auf den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster berufen. Von 1983 hatte er dort den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte inne.
Angenendt, der 1999 emeritiert wurde, war Gastprofessor in Princeton und an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris, wurde 1997 zum Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften (Klasse für Geisteswissenschaften) gewählt und ist seit 1999 theologischer Ehrendoktor der Universität Lund in Schweden. Als erster Geistlicher überhaupt wurde er eingeladen, vor der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau zu sprechen.

