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Eros und Christentum


Samstag, 22. Okober 2011, 19.30 Uhr in der  Technische Universität Chemnitz, Straße der Nationen 62, “Altes Heizhaus” (im Innenhof des Uni-Hauptgebäudes)

Zum Thema:

Den meisten Zeitgenossen sitzt der Verdacht im Nacken, den Friedrich Nietzsche scharfzüngig formuliert hatte: Dass das Christentum dem griechischen Liebesgott Eros Gift zu trinken gegeben habe; er sei zwar nicht daran gestorben, aber zum Laster entartet. Dieses unterschwellige Empfinden teilen viele. Die Frage bedrängt heute teils unausgesprochen, teils bewusst, ob mit der unterstellten Nichtkompetenz des Christentums im Erotischen nicht vielleicht das Schönste im Leben aus der Zuständigkeit des Glaubens weggeglitten sei. Da, wo das Leben eigentlich ins frei Schweifende, ins Heitere und ins Göttliche überginge, stehen im Bewusstsein des Zeitgenossen eine Reihe Ausrufezeichen, Verbotstafeln, Fragezeichen, Einschränkungen. Und doch wäre genau diese vermeintliche Tabuzone, in der so viel verboten erscheint, so etwas wie der Baum des Paradieses, dessen Früchte sich gerne pflücken und genießen ließen. Aber – so noch immer das zeitgenössische Bewusstsein – das  Christentum, spezifisch in seiner kirchlichen Form, habe davor nichts anderes als Warnungen entwickelt. Prof. Gerl-Falkovitz wird an diesen Abend kritisch rückfragen, ob der Eros tatsächlich in dieser Weise vom Christentum verraten wurde.

Zur Referentin:

Prof. Dr. phil. habil. Dr. theol.h.c.
Hanna Barbare Gerl-Falkovitz
Professorin für Religionsphilosophie
und vergleichende Religionswissenschaft

Gerl-Falkovitz studierte Philosophie, Germanistik und Politische Wissenschaften in München und Heidelberg und wurde im Jahr 1970 zum Dr. phil. promoviert. Im Jahr 1979 habilitierte sie sich über die italienische Renaissancephilosophie. 1995 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar verliehen. Von 1993 bis 2011 war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Religionsphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, der Anthropologie der Geschlechter, der in der theologischen Grundlegung der Neuzeit und der Ethik der Weltreligionen. Eines ihrer zentralen Themen ist auch Vergebung und Verzeihung, dem sie zwei ihrer Bücher widmete.